Leseproben

Leseproben aus dem Brombacher-Reisekrimi 

»Umleitung ins Verderben«

1 – Vor acht Jahren

Die Frau achtete penibel auf das Tempo, fuhr eher etwas zu langsam, nahm vorsichtig die Kurven. Nur nicht auffallen, nicht in Radarfallen geraten. Noch dazu war sie das Fahren mit dem alten Kleintransporter nicht gewöhnt, ständig kämpfte sie mit der hakeligen, schwergängigen Schaltung. Zudem klopfte ihr Herz vor Aufregung, die Hände klebten schweißnass am Lenkrad. Aber gleich hatte sie den ersten Teil geschafft. Sie passierte die Mühle und wusste, jetzt war es nur noch ein kleines Stück. Gewissenhaft setzte sie den Blinker, als das Hinweisschild auf den Wanderparkplatz in Sicht kam. Sie hatten vorher alles genau ausgekundschaftet. Aufatmend bog sie ab, blieb aber nicht am Parkplatz stehen, sondern folgte dem breiten Forstweg noch ein kleines Stück bis zur Schneise. Hier führte ein Holzweg ein Stück in den Wald hinein, ein Weg, der durch den Holzeinschlag der Waldbauern entstanden war und irgendwann endete. Sie fuhr bis zu einer kleinen Abzweigung, rangierte, rückwärts hinein, sodass sie ohne Verzögerung sofort in Fahrtrichtung starten konnte. Dann stieg sie aus, öffnete die rückwärtigen Türen und hängte, unsichtbar für etwaige Wanderer, die Auffahrrampe ein. Sie war bereit.


Auszug aus Kapitel 7 - Gegenwart

Angelika Bär sah auf ihren Wecker: »Zwei Uhr«, murmelte sie verschlafen. »Müssen sich die Ganoven eigentlich immer mitten in der Nacht das Lebenslicht ausblasen?«

Auch wenn sie schon ewig und drei Tage mit Bruno verheiratet war, daran, dass er wegen irgendwelcher Mordtaten nachts aus dem Bett geholt wurde, würde sie sich nie gewöhnen. 

Bruno sah aufs Display seines Handys: »Nanu, das ist der Brombacher!«

»Brombacher?«

»Der Wohnmobilreisende, der zusammen mit seiner Frau auf unserer Hauseinweihungsparty war.«

»Ach ja, ich erinnere mich. Das ist doch der, der ständig über Leichen stolpert. Hat der, statt zu schlafen, schon wieder ein Mordopfer gefunden?«

»Nein«, berichtete Hauptkommissar Bruno Bär, nachdem er das Gespräch beendet hatte und nun eilig in seine Jeans schlüpfte, »nur eine gefesselte und geknebelte Krankenschwester!«

*

Der Fall war mysteriös. Die Krankenschwester war noch immer benommen. Jemand hatte sie betäubt, ihr den Mund mit Klebeband verschlossen und sie mit Kabelbindern an den Stuhl gefesselt. Sie hatte durch ihre verstopfte Nase kaum noch Luft bekommen. Das Einzige woran sie sich erinnern konnte, war, dass sie jemand von hinten gepackt hatte. Der erste Verdacht, dass ein Süchtiger sich Zugang zu Opiaten verschafft hätte, bestätigte sich nicht. Es fehlte nichts. Nur bruchstückhaft kam ihre Erinnerung zurück. Sie hatte für den Patienten in Nummer 07 die Morphiumspritze aufgezogen. Hatte sie das Mittel der Infusion beigefügt? Sie wusste es nicht. Ihr Kopf fühlte sich an, als wäre ihr Gehirn mit Watte ausgestopft und noch immer verursachte ihr jeder Atemzug heftige Schmerzen.

Der Patient auf Nr. 07 schien zu schlafen, aber über den Monitor an seinem Bett zog sich dort, wo der Herzschlag angezeigt werden sollte, nur noch eine waagerechte Linie, die erkennen ließ, dass er nicht mehr lebte. Der Aufkleber der Morphiumspritze war ordnungsgemäß an der Infusion angebracht. Der Patient hatte demnach das Mittel erhalten.

»Könnte es nicht sein, dass jemand die Spritze mit dem Morphium entwendet hat und ihm stattdessen einen tödlichen Mix verabreicht hat?«, überlegte Bär.

»Das könnte natürlich sein, aber der Patient befand sich im Endstadium«, erklärte der herbeigerufene Arzt. »Er hätte maximal noch zwei oder drei Tage gelebt. Außer Schmerzlinderung konnten wir nichts mehr für ihn tun.«

Bär warf einen Blick auf die Daten des Patienten: Ingo Nickel – warum kam ihm der Name so bekannt vor?

»Der Tote kommt in die Rechtsmedizin und der Inhalt der Infusionslösung wird überprüft!«, entschied Hauptkommissar Bruno Bär.


Auszug aus Kapitel 23:
»Unser Sohn ist tot. Das ist schlimm genug«, stieß sie hervor. »Was wollen Sie jetzt von uns nach all den Jahren? Wir können Ihnen nicht weiterhelfen. Nils war ein anständiger junger Mann. Er wurde reingelegt, verführt, betrogen, ermordet.« Monika Heller redete sich zunehmend in Rage. Sie war soeben von ihrer Arbeit in einem Supermarkt in Ebermannstadt heimgekommen, und dabei, die Einkäufe in den Kühlschrank zu packen. Jetzt ließ sie sich erschöpft auf die Eckbank in der Küche sinken, wo bereits mit finsterer Miene ihr Mann saß. Ein hagerer, strenger Typ.

»Hatte Ihr Sohn enge Freunde?«, fragte Bär behutsam.

»Einige Kumpel aus dem Fußballverein«, erinnerte sich Norbert Heller, »aber wie die hießen, weiß ich nicht mehr. Hat mich nie sonderlich interessiert. Es gab hier im Haus und im Garten stets Arbeit genug, da hätte er sich nicht auch noch beim Sport austoben müssen.«

Frau Heller fuhr sich mit den Fingern durch ihr blond gefärbtes, dauergewelltes Haar, das am Ansatz schon wieder sichtbar grau nachwuchs. »Ein junger Mann braucht auch Abwechslung«, widersprach sie.

»Ja, ein Motorrad. Auch so eine Schnapsidee. Du hättest ihm das verbieten müssen«, warf Norbert Heller ein.

»Aber Norbert, Nils war doch längst erwachsen. Volljährig. Außerdem war das doch nur ein kleines, leichtes.« Monika Heller war nahe daran, die Fassung zu verlieren und in Tränen auszubrechen.

»Hatte er eine Freundin?«

»Ja, aber ich kannte sie nicht, hab sie nur ein oder zweimal gesehen«. Inzwischen liefen Frau Heller die Tränen unkontrolliert übers Gesicht. Sie tupfte sie mit dem Taschentuch ab und verschmierte dabei ihr Make-up. 

»Eine Schlampe war das. Ein Flittchen«, schimpfte ihr Mann. »Die war an allem Schuld. Die hat ihm das eingeredet. Unter Garantie.«

»Aber Norbert, woher willst du denn das wissen?«

»Die war verheiratet. Das hab ich dir doch damals gesagt. Und Nils hab ich auch informiert. Aber die hat ihn doch so verhext, dass ihm das egal war.«

»Und woher wissen Sie, dass diese Freundin verheiratet war?«, hakte Bruno nach.

»Ich arbeite in Forchheim in einem großen Baumarkt, da hab ich sie mal mit ihrem Mann gesehen!«

»Kannten Sie den Mann?«

»Damals nicht. Den hab ich erst beim Prozess gesehen. Deshalb weiß ich, dass er der Fahrer des Geldtransporters war. Er war es auch, der unseren Sohn erschossen hat.«

»Aber der läuft frei rum«, klagte Frau Heller und brach in hemmungsloses Schluchzen aus. Ihr Papiertaschentuch war längst durchgeweicht. Herr Heller griff in die Hosentasche, zog ein Stofftaschentuch heraus und reichte es seiner Frau.

Taschentuch!, fuhr es Bär durch den Kopf. »Kennen Sie unter den Freunden und Bekannten ihres Sohnes einen Mann mit den Initialen R E?«

Die beiden schüttelten unisono den Kopf, aber in Brunos Kopf hatte es hörbar Klick gemacht. 

So beginnt Kapitel 26:

Ans Morden gewöhnt man sich. Hat der erste Mord geklappt, ist die Hemmschwelle für den zweiten schon recht niedrig. Der dritte Mord ist dann schon fast Gewohnheitssache, der vierte Routine. Das wahre Problem war nicht der Mord an sich, sondern die Leiche. Jeder Mord hinterlässt eine Leiche, die möglichst unsichtbar und unauffindbar entsorgt werden muss. Das Entsorgen, das war das Problem, weil es mit erheblicher Schufterei verbunden war. Gut, beim ersten Mal hatte sich das Problem der Entsorgung nicht gestellt. Aber die beiden anderen Male – nein, noch einmal wollte er sich diese elende Plackerei nicht antun. 

Liebe Leser,

Der Krimi spielt in der Fränkischen Schweiz. Ich kann Ihnen jedoch versichern, dass es in Wirklichkeit in der Fränkischen Schweiz weitaus beschaulicher zugeht. Mein Mann und ich haben einige Jahre in der Nähe von Ebermannstadt gewohnt und "die Fränkische", wie es hier kurz und knapp heißt, war schon immer unser bevorzugtes Wandergebiet. Haben Sie Lust auf eine virtuelle Fototour durch die Fränkische Schweiz? Dann klicken Sie doch einfach mal in meine Reiseseite rein.

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